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Jahresbericht der Deutschen Zentralstelle zur Bekämpfung unzüchtiger Bilder Schriften und Inserate beim Preußischen Landeskriminalamt für den Zeitraum vom 1.4.1935-31.3.1936.

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Viereck

Dokument

StaatsA Mü: Pol.dir. München 7420

Einordnung

Jahresbericht der Zentralstelle zur Bekämpfung unzüchtiger Bilder Schriften und Inserate beim Preußischen Landeskriminalamt, interessant zu Modalitäte illegaler Pornographie, wie sie sich unter den Überwachungsmaßnahmen des Dritten Reichs ausbreitet.

I Allgemeines.

 

Im Zuge der allgemeinen sittlichen Gesundung des deutschen Volkes und in Auswirkung des verschärften Vorgehens der Polizei- und Justizbehörden konnte bereits im Vorjahr ein erheblicher Rückgang des Pornographienhandels [...] festgestellt werden. [...]

Dagegen war es noch nicht restlos gelungen, einige erst in letzter Zeit sich entwickelnde, mehr privat aufgezogene Absatzorganisationen des Pornographienhandels lahmzulegen, die in der Form angeblicher Studiengesellschaften" oder sexualwissenschaftlicher Korrespondenzzirkel auftraten. In solchen von bekannten Pornographienherstellern und –händlern errichteten und geführten Zirkeln wurden unzüchtige Erzeugnisse gröbster Art vertrieben und unzüchtiger Verkehr unter den Mitgliedern angebahnt. Es handelte sich bei diesen Unternehmungen um einen neuen Weg des g e w e r b s m ä ß i g e n Absatzes von Pornographien.

Durch die scharfen Zugriffe gegen ihre Leiter und durch die weitverzweigt geführte Verfolgung aller irgendwie erreichbaren Teilnehmer können diese Vereinigungen nunmehr als weitgehend ausgerottet gelten. Von einem  g e w e r b s m ä ß i g  organisierten Pornographienhandel im Reich kann kaum noch gesprochen werden.

Dieses Ergebnis bedeutet zwar noch keineswegs eine Beseitigung des Pornographienunwesens an und für sich. Es lag nahe daß die sexuell vergifteten Personen, die den Mitgliederkreis vorstehend genannter Sexualzirkel bildeten, neue Wege suchten, um miteinander in Verbindung zu kommen oder zu bleiben. In dieser Hinsicht haben dann auch die ausgedehnten, sich über das gesamte Reichsgebiet erstreckenden Ermittlungen der Zentralstelle ergeben, daß eine beträchtliche Anzahl dieser Personen jetzt in die harmlosen Briefzirkel eingedrungen waren, und nunmehr für diese Kreise, insbesondere für Jugendliche, eine außerordentliche Gefahr bildeten. Außer grobunzüchtigem Briefwechsel ist auch ein lebhafter Austausch pornographischer Photographien und Schriften festgestellt worden, die von diesen Zirkelmitgliedern vielfach selbst hergestellt worden waren.

 

Dem Bericht ist noch eine der beiden ursprünglichen Anlagen beigeheftet: zwei pornographische Briefe (eine Kindesvergewaltigung und ein einer Frau zugeschriebenes Massaker an einem Karnickel).


Ende