Datenbank
Schrift und Bild
1900-1960
Editorial
Natürlich sind die vorliegenden Seiten kein Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Zentralstelle für die Verfolgung unzüchtiger Bilder und Schriften in Berlin.
Auf der anderen Seite steht die Sammlung von Dokumenten und Daten aus den Bereichen Schrift und Bild, ausgerichtet auf den Zeitraum 1900 bis 1960, in einer Hinsicht, wenn auch einer ironisch gebrochenen, ganz in der Tradition der "Polunbi". Die vorliegenden Seiten gehen — von Fachwissenschaftlern angeboten — allenfalls aus einer anderen Perspektive mit dem Spannungsfeld um, in dem die Polunbi ihre Rechtfertigung fand. Das Interesse der Herausgeber galt bei der Einrichtung des Projektes gerade den Berührungsflächen zwischen Individuen, Firmen und Verbänden auf der einen Seite und staatlichen Institutionen auf der anderen. Der Untersuchungszeitraum fordert diese Perspektive mit eigener Macht ein: Der Erste Weltkrieg mündete in einen Konzentrationsprozeß innerhalb der Medienlandschaft. Mit dem Aufbau des Hugenberg-Konzerns gewann dieser Konzentrationsprozeß unter staatlicher Deckung verheerende Wirkung: Die Aushöhlung des jungen Staates ging am Ende gerade von der Presse aus, die von ihm profitiert hatte. Das Dritte Reich brachte in einem zweiten Organisationsschub eine ganz neue Integration der Presselandschaft, des Films und der Kunstszene in das Gefüge staatlicher Institutionen mit sich. Im Exil, im Untergrund und in der Emigration bildete sich eine zersplitterte Opposition gegen die Öffentlichkeit des Dritten Reichs. Diese selbst entwickelte im regime-internen Machtgeschiebe einen Pluralismus, aus dem eher Wetteifer um Gunst und Protektion als Regimekritik hervorging. Mit den fünfziger Jahren schlug nur bedingt die Stunde der Exilierten und Verfolgten. Die Alliierten schufen neue Kontrollinstanzen, um die Öffentlichkeit in ein anderes Fahrwasser zu bringen. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die die eine Seite der Entwicklung fortgesetzt: die der Integration der Privatwirtschaft in den Staat. In den Westsektoren profitierten vom Neubeginn dagegen in ganz eigener Weise gerade die, die gelernt hatten, mit einer politische Ziele verfolgenden Bürokratie umzugehen. Es ging aus ihrer Perspektive nur einmal mehr darum, Genehmigungen, Lizenzen und den guten Willen von Behörden zu erlangen. Im Generationsbruch holten die sechziger Jahre im Westen und in Österreich viel des Neubeginns nach, der Ende des Krieges kurzfristig greifbar schien.
Die vorliegende Datenbank begibt sich als Internetprojekt zu den Jahren 1900 bis 1960 in einen Bereich besonderer öffentlicher Auseinandersetzung. Unser Ziel ist es, durchaus die Themen zu belegen, die andernfalls in einer lähmenden Auseinandersetzung zwischen fortgesetzter Aufklärungsarbeit und der rechtsextremen Aneignung des Internets verbleiben.
Die vorliegenden Seiten sollen die besseren Informationen, wissenschaftlich lokalisierte Quellen und Hinweise auf die Fachliteratur geben. Sie sind ein Projekt im Aufbau, und eine Einladung an die, die in diesem Feld wissenschaftlich arbeiten, Teilaspekte ihrer Arbeit an dieser Stelle im Internet öffentlichkeitswirksam werden zu lassen.
Die Redaktion, Juli 2004
Impressum
| Kontakt | redaktion@polunbi.de | |
| Sabine Biebl | ||
| Matthias Böhne | ||
| Thomas Braun | ||
| Prof. Dr. Hans-Eugen Bühler | ||
| Dipl.-Ing. Gerhard Friedrich Dose | ||
| Prof. Dr. Rolf Düsterberg | ||
| Daniela Hertel | ||
| Andreas Lampert | ||
| Susanne Lang | ||
| Jana Nagel | ||
| Barbara Niemeyer | ||
| Dr. Ina Schmidt | ||
| Dr. Olaf Simons | ||
| Katharina Unger | ||
| Martin Wellmann | ||
| Herausgeber | Dr. Olaf Simons Hauptmarkt 15 99867 Gotha |