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Schumann, Gerhard
14.2.1911-1995

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Viereck Provisorisch: Olaf Simons 2004

 

 

Biographie
Kostproben
Veröffentlichungen
Literatur


Aufn. O. Retoliczka, Kronstadt
Die Mannschaft (Berlin: Limpert, 1938), Bd. 4.

 

 

Biographie

Eigenartig liest sich der Lebenslauf, den das Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unter redaktioneller Betreuung der "Literarischen Gesellschaft Karlsruhe" mit Büro für Internet Gestaltung ebendort, bislang (2003-2005) im Netz auf seiner Web-Site "Autorinnen und Autoren in Baden-Württemberg" verbreitet:

Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie (Universität Tübingen), 1932-1934 württembergischer Studentenführer, 1935 Berufung in den Reichskultursenat, 1936-1945 Vorsitzender der Württ. Landesbühne, 1942-1945 Chefdramaturg und stv. Generalintendant der Württ. Staatstheater Stuttgart, 1949-1962 Lektor, Prokurist, Geschäftsführer Europäischer Buchclub, 1962 Gründung des Hohenstaufen Verlags.
    Mitglied FDA
    Auszeichnung Schwäbischer Dichterpreis (1935), Nationaler Buchpreis (1936), Lyrik-Ehrenring des Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes (1971), Dichtersteinschild von Offenhausen (1974), Ulrich-von-Hutten-Medaille (1981), Schillerpreis des Deutschen Volkes des Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes (für "Liebe und tapferes Bekennen zu Volk und Vaterland", 1983)

Geboren am 14.2.1911 in Esslingen am Neckar studierte Schumann tatsächlich Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Tübingen. 1930 trat er in die NSDAP ein. Im Nationalsozialistischen Studentenbund (NSDTB) und die SA. machte er rash Karrieren - in der SA, mit einem schriftstellerischen Engagement als Mitglied des Kulturkreises der SA, bis zum Standartenführer. Im Studentenbund avancierte er 1932 zum württembergischen Studentenführer - ein Posten, den er bis 1934 innehielt. 1935 wurde Schumann in den Reichskultursenat berufen, selben Jahres erhielt er den "Schwäbischen Dichterpreis". 1936 kam der als "Stefan George-Preis" firmierende "Nationale Buchpreis" hinzu - ausgezeichnet wurde Schumanns Kantate Heldische Feier. 1938 erfolgte die Berufung in den Präsidialrat der Reichsschrifttumskammer - Schumann leitete vom 1.4.1938 bis zum 15.11.1939 die restrukturierte "Gruppe Schriftsteller" der Reichschrifttumskammer. 1939 meldete sich Schumann als Kriegsfreiwilliger, 1942 unternahm er eine Vortragsreise in die Slowakei organisiert durch das Werbe- und Beratungsamt für das deutsche Schrifttum. 1944 trat er zur Waffen-SS über, wo er 1945 den Rang des SS-Obersturmführers erlangte. Der Gefangenschaft folgte die Internierung. 1949 bis 1962 durchlief Schumann Positionen als Lektor, Prokurist und Geschäftsführer des rechtskonservativen "Europäischen Buchclubs". 1962 war er an der Gründung des Hohenstaufen Verlags beteiligt, dessen Mitgesellschafter 1981 der rechtsextreme Verleger Gerd Sudholt wurde.

Die Ehrungen durch das "Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes" (DKEG), und den Ulrich-von-Hutten-Freundeskreis verdienen allen Verdacht. Das DKEG, das sich der "Pflege volkshaft-konservativer Literatur" verschrieben hat, ist seit den fünfziger Jahren Dachorganisation rechtsnationaler und rechtsextremistischer Gruppierungen und mit dem Ulrich-von-Hutten-Freundeskreis eng verbunden. Schumann selbst tat sich (einschlägig zitiert von der rechten Szene im Internet) über das Kriegsende hinweg als Dichter eines Deutschlands in den Grenzen von 1939 hervor - etwa mit seinem Gedicht "Am Tag der Schmach verfaßt annläßlich des 17. Mai 1972. Vehement verlieh er - in seine Gedicht "Deutsche Pendelschläge" von 1981 - denen die Stimme, die öffentlich ein Ende des "Bußganges" fordern, der Deutschland angeblich aufgezwungen ist. Schumann war zuletzt wohnhaft Im Gries 17, in Bodman-Ludwigshafen, er starb 1995.

Vermutlich kann man dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg empfehlen, beim Verfassungsschutz des Landes kurze Rückfrage zu den Organisationen zu halten, die Schumann die dankbar gesehenen Ehrenbekundungen zukommen ließen.

 

Kostproben aus dem Internet

Der Ruf geht nicht an alle. Keiner hört ihn,
der ihn im eignen Herzen nicht vernimmt.
Der Schwur fährt nicht aus allen. Keiner schwört ihn,
den nicht der innre Stern zum Schwur bestimmt.
 
Und keiner ist, der feig und witternd schlich
nach billigem Glück und schmutzigen Händlerdingen.
Hier sammeln sich jene, die mehr als sich
die Ruhm und mehr als Ruhm das Reich erzwingen.
 
Schweißt aus den Stolzen und den stumm Getreuen
die Garde, die den letzten Sturm besteht,
die keinen Tod und keine Tat bereuen,
 
wenn sie die Fahne edelt und erhöht.
Und zeigt der Welt das neue erzne Maß:
Den Edlen Ehre und dem Pack den Haß!

http://heimatschutz.org:16080/kulturkammer/erste_kulturbesitz_zit_schumgerh.htm

Am Tag der Schmach (17. Mai 1972)
 
Noch ist Deutschland nicht verloren,
Rings verraten und beraubt,
Stehn die Treuen fest verschworen
Um der Mutter heiliges Haupt.
 
Pommern, Schlesien und Sudeten,
Posen, Wien und Königsberg----
Mutter, dein mit Tun und Beten!!!!!
Deutschland, dein mit Herz und Werk.

http://www.med1.de/Forum/Psychologie/28641/4/

Deutsche Pendelschläge (1981)
 
Einst im Siegerkranz: am deutschen Wesen
Soll die ganze Welt genessen,
Heute mit des Schlachtviehs Ur-Geduld:
Wir sind schuld. An allem sind wir schuld.
 
Weder die noch jene Hysterie
Weckt uns Achtung oder Sympathie
Nein, weil beides krankhaft übermächtig,
Bleiben wir unheimlich und verdächtig.
 
Zwischen Bonzenstolz und Bußgeschrei,
Übermenschen-Wahn und Sünden-Bürde,
Zwischen Großmannssucht und Kriecherei,
Deutsches Volk, besinn dich deiner Würde.

http://www.med1.de/Forum/Psychologie/28641/4/

 

Veröffentlichungen

Die Reinheit des Reichs ([Tübingen]: Buchdr. des Tübinger Studentenwerks, [ca. 1930]), [5] Bl.

Ein Weg führt ins Ganze. Gedichte (München: Tukan-Verlag, [1933]), 60 S.

Fahne und Stern. Gedichte (München: Langen-Müller, 1934), 65 S.
— 3.-4. Tsd. (München: Langen-Müller, 1936).
— 10.-14. Tsd. (München: Langen-Müller, 1943).

Das Reich. Drama, Die Tukanbühne, 5 (München: Tukan-Verlag, [ca. 1935]), 98 S.

Die Lieder vom Reich Die kleine Bücherei, 50 (München: Langen-Müller, 1935).
— 16.-25. Tsd. (München: Langen-Müller, 1936).

Siegendes Leben. Dichtungen für eine Gemeinschaft, Schriften an die Nation, 72 (Oldenburg i.O.: Stalling, 1935), 45 S.

Wir aber sind das Korn. Gedichte (München: Langen-Müller, 1936), 78 S.
— 13.-16. Tsd. (München: Langen-Müller, 1936).
— 22.-31. Tsd. (München: Langen-Müller, 1943).

Schwäbisches Kulturschaffen der Gegenwart Stuttgart, 4. März - 14. April 1936, verantwortlich für den Inhalt: Gerhard Schumann ([Stuttgart]: Schmid, [1936]), 51, XXXI S., zahlr. Ill.

Entscheidung. Schauspiel Bücherei der dramatischen Dichtung, 24 (München: Langen-Müller, 1938) 134 S. : Notenbsp.
— Unveränd. photomechan. Nachdr. (Bodman, Bodensee: Hohenstaufen-Verlag, 1980), 137 S.

Schau und Tat. Gedichte (München: Langen-Müller, 1938), 107 S.

Bewährung. Gedichte (München: Langen-Müller, 1940).

Die Lieder vom Krieg (1941).

Ruf und Berufung. Aufsätze und Reden, Die kleine Bücherei (München: Langen Müller, 1943), 59 S.

Wir dürfen dienen. Gedichte (München: Langen-Müller, 1943).

Gudruns Tod. Tragödie (Wien [u.a.]: Bischoff, 1943), 146 S.

Gesetz wird zu Gesang 1.-10. Tsd. (Berlin: Bischoff, 1943), 83 S.

"Krieg - Bericht und Dichtung", in: Dichter und Krieger, Weimarer Reden 1942 herausgegeben von Dr. Rudolf Erckmann (Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt [1943]).

Die grosse Prüfung. Neue Gedichte (Mannheim: Kessler, 1953), 129 S.

Freundliche Bosheiten. Heitere und besinnliche Verse (Mannheim: Kessler, 1955), 128 S.

Lied der Treue. Hochzeitsgesang, Weise u. Satz f. Männerchor v. Julius Gessinger, Text: Gerhard Schumann [Partitur] (Schwäbisch Hall: J. G. Musik-Verl., [ca. 1955]).

Die Tiefe trägt. Gedichte einer Jugend (Mannheim: Kessler, 1957), 192 S.

Stachel-beeren-auslese. Neue besinnlich-heitere Verse. Mit Zeichnungen von Karl Staudinger (Stuttgart: Silberburg-Verlag, 1960), 93 S., Ill.

Leises Lied. Gedichte 2. Tsd. (Esslingen, Neckar: Hohenstaufen-Verlag, [ca. 1962]), 132 S.

Ein Weihnachtsmärchen. Mit Bildern von Ernst von Dombrowski (Esslingen am Neckar: Hohenstaufen Verlag, 1963), 71 S.

Der Segen bleibt. Gedichte (Bodman, Bodensee: Hohenstaufen-Verl., 1968), 114 S.

Palucca. Porträt einer Künstlerin, hrsg. u. eingel. von Gerhard Schumann (Berlin: Henschelverl. Kunst u. Gesellschaft, 1972), 217 S., zahlr. Ill.

Besinnung. Von Kunst und Leben (Bodmann: Hohenstaufen Verlag, 1974), 240 S., Ill. [Autobiographie]

Bewahrung und Bewährung. Gedichte (Bodmann: Hohenstaufen Verlag, 1976), 199 S.

Spruchbuch (Bodman: Hohenstaufen Verlag, 1981), 198 S. ISBN: 3-8056-0927-2.

Trost und Zuversicht aus Lyrik und Prosa (München: Langen-Müller, 1991), 107 S.

 

Literatur

Erckmann, Rudolf, Gerhard Schumann (München: Dt. Volksverlag, 1938).

Schöne, Albrecht, Über politische Lyrik im 20. Jahrhundert. Mit einem Textanhang. Ergänzt durch einen Briefwechsel des Verfassers mit Gerhard Schumann und eine Antwort von Hermann Pongs, 3. Aufl. (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1972).

Barbian, Jan-Pieter, Literaturpolitik im "Dritten Reich". Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder 2. Aufl. (München: dtv, 1995), S. 211f, 269, 436, 448, 457, 459, 496.


Ende