Mit Sitz in München gegründeter Verein, der die Freiheit der Kunst und Wissenschaft im deutschen Reich gegen Angriffe jeder Art zu beschützen sollte. Laut Vereinsstatuten sollte "Die Erreichung des Vereinszweckes [...] durch alle gesetzlich zulässigen Mittel angestrebt werden; insbesondere durch öffentliche Bekämpfung (Volksversammlungen u.s.w.) der vorkommenden Angriffe auf die Freiheit der Kunst und Wissenschaft durch Publikationen, durch Organisation von Rechtsschutz, durch Petitionen, durch Maßnahmen gegen gesetzgeberische, richterliche, oder verwaltungsrechtliche Angriffe auf die Freiheit der Kunst und Wissenschaft, durch Anregung zur Gründung ähnlicher Vereine in andren Städten u.s.w."
Weitere Vereinsgründungen folgten in anderen Städten. Die Behörden beäugten das Geschehen sorgsam und boten der Unternehmung, der die Honoratioren deutscher Kultur beitraten schließlich die Mitarbeit im Zensurwesen an. Der Verein erstarrte bis 1903 zu gänzlicher Bedeutungslosigkeit.
15.3.1900
Max Halbe meldet den Goethebund bei der Münchner Polizeidirektion← an. Gründungsmitglieder sind Dr. Max Halbe, I. Vorsitzender, Dr. Korfritz Holm, II. Vorsitzender, Dr. Georg Hirth, I. Schriftführer, Otto Falkenberg, II. Schriftführer, Heinrich Doescher, Schatzmeister. Statuten← gehen an die Behörde und werden in den Münchener neuesten Nachrichten 159 (4.4.1900) veröffentlicht.
Die Vereinsgründung wird in diversen Zeitungen proklamiert — so in der Münchner Freie Presse 62 (16.3.1900)← und der Allgemeinen Zeitung 77 (20.3.1900)←. Die Statuten sind auch in den Münchener neuesten Nachrichten 159 (4.4.1900) veröffentlicht.
Die Münchner Gründung findet sofortige Nachahmung: in Berlin gründen noch prominentere Herren, an ihrer Spitze der Präsident der Akademie der Künste, Geheimrat Ende, Prof. Theodor Mommsen und Friedrich Spielhagen, eine eigene Sektion — dies unter Beisein viel deutscher intellektueller Prominenz von Adolf v. Menzel bis Gerhart Hauptmann. Die Allgemeine Zeitung 95 (7.4.1900) gibt eine Liste der bis dahin beigetretenen Prominenz — Namen samt öffentlichen Funktionen.
9.4.1900
Gründung der Dresdner Sektion.
30.5.1900
Festabend des Goethebundes im großen Saal des Münchner Kindl Kellers. Zeitungsanzeigen versprechen Kampf und Satire, die Polizei vermerkt, daß es zu keiner Debatte kommen werde. Der Festakt wird ausführlich polizeilich dokumentiert.←
6.9.1900
Meldung in Meldung in Münchener Neueste Nachrichten:← von Menzel, Pietsch und Skarbina bieten sich als Mitglieder des Goethebundes der Staatlichen Observation der Literatur an.
24.3.1903
Meldung in Münchener Zeitung zu Sitzung des Goethebundes.← Der Bund war seit seiner Gründung nicht weiter aktiv und kann sich auf keine nennenswerten Positionen einigen.